Mehr kompetente Menschen im Wald, die Zeit für Beobachtungen haben

„Das, was hier im Wald passiert, habe ich seit 35 Jahren nicht erlebt – die Rahmen­bedingungen der letzten drei Jahre sind katastrophal für den Königsteiner Wald“, erklärt Jochen Raus, Leiter des Reviers Billtalhöhe im Forstamt Königstein (Bild, 2.v.L.). Gemeinsam mit dem Hessischen Umweltstaatssekretär Oliver Conz (Bild, 3. V. L.) zeichnete er nach drei extrem trockenen Jahren ein aktuelles Lagebild zum Königsteiner Wald mitten in der Klimakrise.

Rund 30 Bürger*innen, unter ihnen Bürgermeister Leonhard Helm, wollten sich die Gelegen­heit für einen vertieften Einblick nicht nehmen lassen und sind der Einladung der GRÜNEN Königstein zum Waldspaziergang gefolgt. Zweieinhalb Stunden ging es – inklusive vieler auch individueller Dialogpausen – über kleine und größere Waldwege durch den Wald, teilweise auch auf Kronberger Waldgebiet. Die großen Schäden der letzten Jahre waren überall erkennbar: großflächige Sturmschäden, schwere Forstmaschinen, Wiederbewal­dungsmaßnahmen, abgesägte und gestapelte Baumstämme und vor allem immer wieder ein unverhofft freier Blick auf die Frankfurter Skyline, den es so vor den Schäden nicht gab. Vor allem Borkenkäfer setzen dem Wald zu. Die Ursache, so der Revierleiter und der Staatssekretär unisono, sei vor allem der durch den Klimawandel bedingte Wassermangel.

Entsprechend viele Fragen wurden durch Groß und Klein gestellt und ausführlich beantwortet. Schnell wurde klar: die Zusammenhänge sind komplex und einfache Antworten zwischen wirtschaftlicher Nutzung, Naturschutz und Erholungsgebiet schwer zu finden.

Die Hessische Landesregierung macht sich mit einem 12-Punkte-Plan für den Erhalt und den Schutz der hessischen Wälder stark. Bis zum Jahr 2023 werden insgesamt 200 Millionen Euro investiert. Ziel ist es, den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Nachhaltig bewirtschaftete Wälder, so Staatssekretär Conz, mindern das Risiko des Waldsterbens und binden CO2.

Die wichtigste Investition in einen zukunftsstarken Wald, so der Staatssekretär, sei ein verstärkter Personaleinsatz: „Wir brauchen mehr kompetente Menschen im Wald, die Zeit für Beobachtungen haben und erkennen, wie der Wald auf unsere Maßnahmen reagiert“. Das sei nämlich, so die Erfahrung, von Ort zu Ort ganz unterschiedlich. Das Land werde daher das Fachpersonal in den hessischen Wäldern weiter stärken. Eine Botschaft, die der Revierförster gerne hörte: seine Männer und Frauen im Wald kämpften mit hohem Einsatz gegen Borkenkäfer und andere klimabedingte Schäden. Dabei sei man inzwischen auch an die eigenen Grenzen angelangt. Ein weiterer trockener Sommer würde die Krise weiter verschärfen.

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